Jazz, Krisen & Gitarren: Mein Treffen mit Larry Coryell

Shownotes

In dieser Episode nehme ich euch mit auf eine sehr persönliche Reise in die Jazzwelt der 1970er Jahre. Ich erzähle von meiner einzigartigen Begegnung mit Larry Coryell, einem der Pioniere des Jazz-Rock, und wie ein mitgebrachter Weißwein unser Gespräch auf unerwartete Weise prägte. Offen spricht Larry über seine künstlerischen Zweifel, den Schatten des Alkoholismus und den Druck, sich immer wieder selbst zu übertreffen. Wir tauchen ein in die Musik, die ihn geprägt hat, und die Kraft der Begegnungen mit anderen Jazzgrößen wie John McLaughlin und Chet Baker. Am Ende bleibt die Erkenntnis, wie eng Musik, Menschlichkeit und persönliche Krisen miteinander verwoben sind – und wie Jazz immer wieder neue Wege eröffnet.

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00:00:06:

00:00:14: Ich bin Marianne Tachtappen und ich freue mich sehr, dass ihr dabei seid.

00:00:18: Ihr wisst ja nun schon das es mir um Geschichten und Geschehen, um Menschen und Musik aus aller Welt und aus vielen Zeiten geht – und dass ich hin und wieder auch einen Gast haben werde!

00:00:28: In der Episode III, die neunzehntinundertsiebziger Jahre betreffend mit dem Thema Jazz-Rock-Guitar Hashtag I lag der Schwerpunkt auf meinen Begegnungen mit den britischen Jazzgitaristen John McLaughlin.

00:00:43: Und ich erzählte euch das er mich bei unserem ersten Interview neunzentneunundsebzig zu einem Glas Weißweineinblut Und das hatte ein gutes Jahr später, nämlich im November, ein unerwartetes Nachspiel.

00:01:00: In jener Zeit war ich auch auf die Musik des Nuancenhundertvierzig in Texas geborenen Jazz-Gitaristen Larry Corriel aufmerksam geworden.

00:01:09: Heute gilt er unbestritten als einer der Pioniere.

00:01:14: Mich begeisterte als erstes das Doppelalbum The Essential Larry Corriere, dass einen vielseitigen Schwer-Schnitt durch seine Arbeit von und sechzig bis nineteenhundetvierend siebzig bot.

00:01:27: Unter anderem ist da zu hören wie er in neunzehnhundertsiebzig nur im Duo mit John McLaughlin der zu der Zeit noch den Beinnamen Harwishnu trug – das Stück Rene's Theme spielte!

00:01:40: Das Stück wurde übrigens komponiert vom heute fast vergessenen belgischen Jazz-Gitarist René Thoma.

00:01:47: Und Larry bewies sich auch als einfühlsamer Sänger, zum Beispiel bei dem von seiner Frau Julie geschriebenen Song Are You Too Clever?

00:01:57: Auch Musik von seiner Band The Eleventh House ist auf dieser Kompllation zu finden mit Wolfgang Dauners Komposition Jén.

00:02:05: Im legendären Laden, im Hamburger Gründelförtel kaufte ich mir das, und schon damals sagte Larry zu mir.

00:02:29: Ich fand Larry auch spannend im Duo mit dem belgischen Gitaristen Philipp Katerin und ihrem gemeinsamen Album Twin House.

00:02:36: Und dann kam unter dem Titel Courier-Katerine Kühn live, der mitschnitt heraus von der Europa Tournee der beiden Gitaristinnen zusammen mit dem Pianisten Joachim Kühnen – und nicht zuletzt bewunderte ich Couriers Zusammenspiel mit dem Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmidt.

00:02:56: Jahrzehnte davor hatte ich als Jazz-Teenie für Bakers West Coast geprägtes Trompetenspiel und seinen Gesang geschwärmt.

00:03:04: Und nun im November, traten Chat Baker und Larry Corial gemeinsam auf in einem Hamburger Club in der Nähe der Musikhalle – für mich ein Traumkonzert!

00:03:16: – und Backstage lächelte Chat mich sehr freundlich an.

00:03:21: Doch ich war zu scheu um ihn, um einen Interview zu bitten….

00:03:25: Doch bei Larry traut ich mich und wir verabredeten uns für den nächsten Tag in seinem Hotel an der Alster.

00:03:31: Damals wusste ich so gut, wie gar nichts über Larys Leben!

00:03:35: Und ich dachte zurück an meine erste Begegnung mit John McLaughlin und nahm deshalb eine feine Flasche Weißwein mit im Zutel und wollte Larry Corriel damit eine Freude machen... Seine Reaktionen allerdings verwirrte mich total.

00:03:50: Er hannte mit der Flasche raus auf den Hotelfuhr, rief seine Bandmitglieder aus dem Zimmern und schrie Look what she brought me!

00:03:58: Einer sagte Oh my God, what a mess!

00:04:02: Im Laufe des darauf folgenden sehr offenen Gesprächs mit Larry erfuhre ich warum mein Mitbringsel ihn keineswegs erfreut sondern zutiefst erschüttert hatte.

00:04:12: Er kam gleich zur Sache – seine Gesundheit.

00:04:16: Nach dem Motto, wenn dein Körper fit ist dann ist es auch dein Gemüt.

00:04:20: Es gibt immer Momente wo du unglücklich bist.

00:04:23: Bleibt die Frage was dich unglücklich macht und wie du damit umgehst?

00:04:28: Larry sagte mir frei heraus

00:04:46: Bad Crisis in my life.

00:04:48: I think it had to do with me, My own feelings about myself...I didn't like myself!

00:04:51: If you don´t like yourself then you destroy your self.

00:04:54: Do i have a disease called alcoholism that is with me forever?

00:05:05: Bei der kleinen Auswahl der Alben, die ich Eingangs erwähnte, zeigte sich für mich schon damals die große Vielfalt des Stile zwischen den Larry Pendel-Te.

00:05:15: Von Blues über Hard Rock bis hin zum modernen Jazz und ihm wurde durchaus hoher Verdienst dafür bestätigt dass er dem Jazz mit seiner rockigen Gitarre neue unerhörte Impulse verdienen hatte.

00:05:28: Gleichwohl war für ihn die Musikkritik vor unausgereift Plan und stillos zu sein.

00:05:35: Die vermeintliche Planlosigkeit hatte ihren Grundehr darin, so erzählte er es mir.

00:05:41: Dass er immer vermeinte im Schatten anderer Musiker besonders andauer Gitaristen zu stehen die für ihn harte Maßstäbe bedeuteten.

00:05:51: Er stellte fortwährend die höchsten Ansprüche an sich selber – er wollte gut sein!

00:05:56: Er wollte seinen Mitmusikern genügen.

00:05:58: Nicht zuletzt wollte er sein Publikum glücklich machen und er liebte den Jazz, die man sich mit achtzehn, neunzehn Jahren intensiv zuwandte.

00:06:09: Doch er wollte nicht irgendwelchen Trends oder Moden folgen – er wollte es vor allem doch nur richtig machen!

00:06:16: Er bewies seinen Können auf dem Instrument und meinte dennoch dabei NICHT zu sich selbst zu finden.

00:06:23: Die psychische Belastung, die ihm da aus erwuchs, gekoppelt mit der physischen Belastungen, die jeder Musiker ertragen muss, der viel auf Tournee ist hatte er versucht in Alkohol zu ertränken.

00:06:34: Schwere Krisen, eben verursacht durch Algolismus waren die Folgen und Larry erzählte weiter.

00:07:23: Ausführlich sprach Larry über die Empfindlichkeit des Künstlers und die Neigung zum Übertreiben im Guten wie im Schlechten.

00:07:29: Und er sprach auch über die Power, die in der Musik liegt und über die Verantwortung, die er als Musiker trägt.

00:07:35: Und er betonte... Beim Zuhören spürte ich, Da sprach sich jemand selbst Mut zu.

00:07:54: Denn zu jener Zeit achteten manche Konzerte wo mehrere Gitarre-Giganten gemeinsam auftraten schon zu einer Art Instrumental-Olympiade aus, wer ist der schnellste?

00:08:04: Wer spielt in der kürzesten Zeit die meisten

00:08:06: Noten?".

00:08:07: Und Teilnehmer Larry hatte stark darunter gelitten das er nur auf dem Silber oder Brunse Träppchen gestanden hatte.

00:08:15: Während die Goldmedaille stets dem einen galt, der Pflicht und Kühe beherrschte wie kein anderer – und der wie kein Anderer einen immensen Einfluss of Larry Korea ausübte.

00:08:26: John McLaughlin.

00:08:28: John ist mein Favorit, nur ein meiner liebsten Gitarre-Spieler.

00:08:44: Er ist eine unglaubliche Person.

00:08:48: Er hat eine große Inspiration und wenn ich mich über meine Mischungen aufhörte um ihn zu machen,

00:08:58: war es leichter.

00:09:01: Siehst du wirklich Marianne?

00:09:04: Meine Leben ist sehr einfach.

00:09:07: Ich wache am Morgen, ich nehme einen von diesen Pilzen, die mir kühlen würden, wenn ich was trinkte.

00:09:24: Also da drüben stoppt manche jetzige Gedanken, wie gut ich den Trinken habe.

00:09:35: Kein Weg!

00:09:37: Nach diesem Satz herrschte meinerseits beklommenes Schweigen.

00:09:47: Larry erzählte mir auch von der Dankbarkeit für und von Erinnerung an andere Musiker, die er bereits in seiner Kindheit verehrte.

00:09:55: Und mit denen er früher schon gespielt hatte.

00:09:58: Für ihn verkörperten sie das Licht, dass ihnen aus dem Dunkel des Alkoholismus herausholte.

00:10:04: Die Alkohol hat alles schlafen.

00:10:07: Man kann nichts sehen, so ein Leben ist gut für mich.

00:10:10: Und ich habe viel Gratitude, dass ich mit großen Musikern wie John

00:10:15: und Chet

00:10:18: und Sonny Rollins und Miles Davis und die Adderley Brothers und Jimmy Cobb und Dizzy Gillespie und alle diese Leute, die ich als Kind verursacht habe, glaubt mir.

00:10:28: Die damalige Zusammenarbeit mit Chad Baker bedeutete ihm viel.

00:10:33: Er wusste um Chats Probleme mit Drogen, doch das war kein Thema zwischen den beiden Musikern.

00:10:39: Larry schätzte Chats Einfühlsamkeit und Intellekt.

00:10:44: Ich sprach Larry aber auch an auf das damals besonders in meinem Freundeskreis-Aufsehen erregende Album Young Django, mit dem so illustren Quartet Stefan Grappelli Violine, Nils Henning-Erstedt Pedersen Bass und den beiden Gitaristen Philip Caterin und Larry Corriere, neunzehnundsebzig aufgenommen im Tonstudio Zuckerfabrik Stuttgart.

00:11:09: Große Schuhe, in die Larry & Phillip schlüpften!

00:11:12: Die Ansprüche waren hoch... Doch Larry meinte schließlich.

00:11:40: Verzweifelt auf der Suche nach sich selbst wollte er keine Vergleiche, schon gar nicht mit Django.

00:11:46: Auf meine Frage in welcher Besetzung er bei seiner nächsten Tournee denn gerne spielen wollte, antwortete er zögend.

00:12:18: Rock'n Roll sollte es also oft gar keinen Fall mehr sein, doch eines war sicher.

00:12:23: Er wollte keineswegs aufgeben wenn es auch keine konkreten Projekte zu jenem Zeitpunkt gab und vehement beschrieb er seinen größtes Anliegen.

00:12:43: Er übe viel, betonte er.

00:12:45: Er erteile Gitarrenunterricht.

00:12:47: Er knüpfe Kontakte.

00:12:48: Er sei froh, dass er den Kampf mit dem Alkoholismus schließlich gewonnen habe.

00:12:54: Wir sprachen sehr lange an diesem Nachmittag im Hotel miteinander über Pläne, über Proben und über Publikum.

00:13:02: Schliesslich bat er mich ihn am nächsten Tag zu den anonymen Alkoolikern begleiten.

00:13:09: Vorher aßen wir bei mir eine Kleinigkeit und er, der damals vorwiegend auf der Ovation-Gitar spielte, improvisierte etwas auf einer meiner Höfner Akustikgitarren.

00:13:20: Wollte ich sie je danach wieder selber berühren?

00:13:23: Ich brachte ihn zu dem gewünschten Ort und verabschiedete mich – auf ihn warten sollte ich nicht!

00:13:28: Er würde den Weg zurück ins Hotel schon alleine finden.

00:13:32: Und er fand seinen eigenen Weg in der weiten Welt des

00:13:35: Jazz.".

00:13:40: In meiner Erinnerung wird er immer lebendig bleiben mit seiner Musik und seinen Erkenntnissen bei unserer damaligen einzigen, einzigartigen Begegnungen.

00:13:57: Und auf meinem Plattenspieler läuft zum wiederholten Mal sein Solo-Stück das eher auf der zwölfseitigen Gitarre spielte – Sweet Shuffle von dem Album Standing Ovation.

00:14:09: Und sie gebühren ihm die Ovationen.

00:14:12: und nun?

00:14:13: Ich denke an meine nächste Episode von MJC, my Janis Jazzcast.

00:14:18: werde ich bald meinen Gast Rafa Müller begrüßen oder werde ich erst mal weiter in meinen Erinnerungen wühlen.

00:14:25: We'll see!

00:14:26: There's no hurry stay tuned.

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